Presseinformation

Interview mit Klaus Neuper in "Heidelberger Symphoniker News" (S.20-21)
Kein Spitzweg-Idyll ...

Ein Beethoven-Portrait des Malers Klaus Neuper ziert das Cover der neuesten CD der Heidelberger Sinfoniker - und die Titelseite des vorliegenden Hefts. Auch für die die jüngst erschienene Vivaldi-CD des Orchesters hat Neuper das Titelgemälde geschaffen: Vier abstrakte Miniaturen, in Öl gemalt, die auf höchst suggestive und stimmungsvolle Weise die Jahreszeiten versinnbildlichen. Mit dem Künstler, der 1949 in Nürnberg geboren wurde, sprach Stefan Schneider.

Wie kam Ihr Kontakt mit Thomas Fey und den Heidelberger Sinfonikern zustande? Eine Zufallsbegegnung?

Nein, eher ein wenig geplant: Ein musik- und kunstbegeisterter gemeinsamer Bekannter hat uns im Herbst 1999 zusammengebracht. Wir waren uns gegenseitig nicht unsympathisch, und Thomas Fey sprudelte sofort vor Ideen, zum Beispiel für das Vivaldi Cover ...

... das wundervoll gelungen ist. Damals haben Sie auch schon an Coverentwürfen für die erste Beethoven-CD des Orchesters gearbeitet, die im Herbst 2000 erscheint ...

Die CD enthält ja frühe Werke Beethovens, und Thomas Fey wollte deshalb, dass ich einen jungen Beethoven mache. Ich habe mir verschiedene Vorlagen angesehen und einiges ausprobiert - und was mich gewundert hat: Der junge Beethoven, auf den dann die Wahl fiel, sah aus wie Paul McCartney! Jetzt ist der Schallplattenverlag richtig happy: Herr Neuper, wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten ...

Es wird ja weitere Beethoven-CDs der Sinfoniker geben ...

... und auch für diese werde ich "altersgemässe" Portraits malen, je nach Entstehungszeit der eingespielten Werke. Eine ganze Beethoven-Galerie.

Ich habe die Originale Ihrer "Vier Jahreszeiten" gesehen, die wirklich sehr kleinformatig sind, und bewundere, wie man bei dieser Bildgrösse so unglaublich detailreich in Öl malen kann. Haben Sie viel Erfahrung mit solchen Formaten?

Jahrelange. Zum Beispiel erhalte ich von Firmen immer wieder Aufträge für Grusskarten und ähnliches, etwa für die Deutsche Krebsgesellschaft oder den Krebskongress 2000 in Berlin. Die "Vier Jahreszeiten" will ich allerdings auch noch grossformatig auf Leinwand machen, so dass eine Gesamtfläche von 160x160 cm entsteht.

Ein CD-Cover verbindet Kunst und Musik - arbeiten Sie auch auf andere Weise "grenzüberschreitend"?

Bei Performances. Da arbeite ich mit Musik, Geräuschen, Tanz, Bühnenbildern, Masken, Verkleidungen ... Beim Sylt Art Festival im Mai 2001 werde ich zum Beispiel während eines Konzerts "live" ein Bild malen.

Haben Sie eine "klassische" Kunstausbildung erhalten?

Ich habe an der Nürnberger Kunsthochschule Malerei und Architektur studiert - das ging damals noch an Kunsthochschulen, heute leider nicht mehr -, bin also Diplomingenieur. Ausserdem habe ich in Berlin zwei Semester Kunstgeschichte belegt, allerdings eher, um die Stadt kennenzulernen. Danach habe ich mich als Selbstständiger voll der Malerei gewidmet und habe parallel dazu gebaut. Durch die Architektur habe ich gelernt, mit einer gewissen Disziplin zu arbeiten; das gibt mir die Möglichkeit, zu reagieren, wenn ein Auftraggeber etwas ganz Bestimmtes will.

Also nicht nur der "freie Künstler", der alles aus sich selbst schöpft und ansonsten weder nach rechts noch nach links schaut?

Nein, kein Spitzweg-Idyll. Für die Tombola des Heidelberger Sinfoniker- Balls habe ich 20 Bilder in Postkartengrösse gemalt, in DIN A 4 gerahmt und auf der Rückseite mit einem Portrait versehen, fertig für den Endverbraucher.

Das ist ja eine ziemlich gute Werbung.

Ich versuche, ein guter Selbstvermarkter zu sein - so, wie auch Thomas Fey einer ist. Wenn man sich in der Geschichte der Künste umsieht, waren die meisten Leute "mit Namen" solche, die sich selber ins richtige Licht setzen konnten. Picasso hat nie eine Ausstellung in Paris gehabt, aber seine Pariser Zeit dazu genutzt, um in den Cafes Kontakte zu knüpfen, die ihn voran brachten. Dali und Matisse waren super Verkäufer; Botticelli, da Vinci, Rembrandt, Rubens waren hoch angesehene Bürger und Räte in ihren Städten; Goethe hat keine Verbindung ungenutzt gelassen. Die Vincent van Goghs waren die Ausnahme.

Sie sprechen von notwendigen Kontakten. Wie steht es mit dem Geld?

Kunst kann eigentlich nur da entstehen, wo das Geld ist - auch das zeigt die Kunstgeschichte. Nehmen Sie Dostojewskij in Bad Homburg: Er liess sich sponsern, um schreiben zu können. Übrigens, ein Grund, weshalb ich nicht aus der Kirche ausgetreten bin, ist, dass die Kirche jahrhundertelang als Kultursponsor, -förderer und -auftraggeber aufgetreten ist.

Und wer übernimmt heute diesen Part?

Die Kirche spielt nicht mehr diese herausragende Rolle, und da es auch keine Fürsten und Könige mehr gibt, müssen sich Wirtschaft und Politik schon mächtig ins Zeug legen, um ...

Sie denken, dass die heutige Kulturförderung vergleichsweise marginal ausfällt?

Allerdings. In meiner Heimatstadt Nürnberg konnten Generationen von Glasmalern von ihrer Kunst leben, am Kölner Dom waren zwei bis drei Bildhauer- und Steinmetzfamilien über Jahrhunderte beschäftigt. Und heute? In unseren neuen Reichstag, der von einem Engländer umgebaut wurde, hängt man noch ein paar Bilder, und das war's dann.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Musik?

Ich habe ein musisches Gymnasium besucht, kann Noten lesen, spiele auch Klavier und - in einer Rythm-and-Blues-Band - Gitarre.

Sie sind also kein ausgesprochener Klassik-Hörer?

Nein, auf keinen Fall. Was mich interessiert, ist gute Musik; das kann mal ein Mozart mit Salzburger Schnürlregen sein, aber auch ein ganz heftiger Jimi Hendrix. Je nach Stimmung.

Zum Schluss: Was sollte man von einem Künstler erwarten dürfen?

Dass er sein Handwerk beherrscht.